Impulse

Verschiedene biblische Impulse verschiedener Autoren im Bistum Osnabrück

Hier finden Sie die Impulse der Impulsreihe: (jede der kommenden Woche steht ein neuer Impuls online)

Einleitung als PDF

Erster Impuls – Schöpfung Teil 1 – als PDF

Zweiter Impuls – Schöpfung Teil 2 – als PDF

Dritter Impuls – Noah – als PDF

Vierter Impuls – Sara und Abraham – als PDF

Fünfter Impuls – 10 Gebote – als PDF

Sechster Impuls – Propheten – als PDF

Einleitung – Überblick

Geplant war eine Impulsreihe zu den von Marc Chagall gestalteten drei Mittelfenstern im Ostchor der Kirche St. Stephan in Mainz. Die drei Fenster sind ein Durchzug durch die biblische Geschichte. Eine Genehmigung für die Abbildung der Bilder für diese Internetseite zu erhalten, wäre unverhältnismäßig teuer geworden. Auf der Internetseite des Online-Shops (segensreich) von Maria Laach können Sie die Fenster ansehen.

Die Impulse stammen aus einem Vortrag zum Thema ‚Schrei der Gerechtigkeit‘. Die einzelnen Abschnitte wurden neu überarbeitet. Deswegen legen die Impulse den Schwerpunkt auf den Aspekt der Gerechtigkeit. Denn Gerechtigkeit ist das Thema der Bibel.[1]  Dietrich Bonhoeffer macht deutlich, dass für die Bibel „die Gerechtigkeit und das Reich Gottes auf Erden der Mittelpunkt von allem“ seien. Dabei geht es in der Bibel um einen umfassenden Gerechtigkeitsbegriff, der nicht auf juristische Gerechtigkeit beschränkt werden kann. In der Hl. Schrift sei, so Boniface Mabanza, die Bezugnahme auf Gerechtigkeit mit Einsatz und Kampf, mit Parteilichkeit und Solidarität für die Entrechteten verbunden.[2] [3] „Das eigentliche Thema der Bibel ist nicht der Tod und der Glaube an ein Jenseits, sondern die Verwirklichung von Gerechtigkeit auf Erden“, so Andreas Benk.[4] 

Gerechtigkeit ist im biblischen Sinne untrennbar mit dem biblischen Gott selbst verknüpft, es „ist Gottes ureigenes Anliegen.[5] Im Psalm 82 z.B. wird die Gerechtigkeit und das Recht, die Rettung der „Geringen und Armen“, „der Elenden und Bedürftigen“ und die Befreiung zum Maßstab dieses Gottes. Die Grundfesten der Erde wanken, wenn dieses nicht getan wird. [6]

Rabbi Jonathan Sacks schreibt: „Die Bibel ist der Ruf zur Verantwortlichkeit; in dieser Welt zu handeln und eine gerechte Welt zu schaffen. Es ist das Gegenteil des Opiums. Es geht nicht darum, inneren Frieden zu erreichen, sondern um zu beunruhigen. Imitate Deus (Handeln in der Nachfolge Gottes) heißt den Schrei der Menschen zu hören. Die Menschen sollen seine Partner in der Erlösung der Welt sein; auf der Basis von Gerechtigkeit. Es ist nicht das Ziel die einzelnen in den Himmel zu bringen, sondern den Himmel auf die Erde.“[7]

Aus der Heiligkeit Gottes ergibt sich biblisch für die Menschen die Pflicht zur Gerechtigkeit: „Der Gerechtigkeit, der Gerechtigkeit jage nach“ (Deuteronomium 16,20) / „Gerechtigkeit und Recht sind die Grundfesten deines Thrones.“ (Psalm 89,15). Rabbi Abraham Heschel schreibt: „Gott ist Partner und Partisan im Kampf des Menschen für Gerechtigkeit, Frieden und Heiligkeit und weil Gott den Menschen braucht, hat Gott für alle Zeiten einen Bund mit dem Menschen geschlossen, eine gegenseitige Bindung. [8]

Aus dieser biblischen Tradition ergibt sich der Kampf gegen die Unterdrücker dieser Gerechtigkeit und der dort verankerten Rechte der Schöpfung insgesamt und der Menschen; „alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist“, für ein „Leben in Fülle“ (Johannes 10,10) für die Menschen und für die gesamte Schöpfung. Z.B. in Felder wie gegen Landraub, gegen Wasserprivatisierung, Vermarktung der Erde, Vernichtung der Schöpfung etc. Die einzelnen Impulse orientieren sich am Verlauf der Geschichten in den Chagall-Fenstern, allerdings mit anderen Bildern. Sie sind jeweils nur ein kurzer Einblick und greifen lediglich einzelne Aspekte heraus. Es ist sowohl möglich sie als Impulsreihe zu lesen als auch sich einzelne Impulse anzuschauen.


[1] Gerechtigkeitsbibel, S. 4.

[2] Boniface Mabanza: Gerechtigkeit kann es nur für alle geben: Eine Globalisierungskritik aus afrikanischer Perspektive, S. 156

[3] Boniface Mabanza: Gerechtigkeit kann es nur für alle geben: Eine Globalisierungskritik aus afrikanischer Perspektive, S. 157

[4] Andreas Benk: Christsein ohne Jenseitsglaube

[5] Tobias Faix: Schrei nach Gerechtigkeit, S. 18

[6] Ps 82: Ein Psalm Asafs. Gott steht in der Gottesversammlung, inmitten der Götter hält er Gericht: 2 Wie lange wollt ihr ungerecht richten und die Frevler begünstigen? 3 Schafft Recht dem Geringen und der Waise, dem Elenden und Bedürftigen verhelft zum Recht. 4 Rettet den Geringen und den Armen, befreit ihn aus der Hand der Frevler. 5 Sie wissen nichts und verstehen nichts, im Finstern tappen sie umher, es wanken alle Grundfesten der Erde. 6 Ich habe gesprochen: Götter seid ihr und Söhne des Höchsten allesamt. 7 Doch fürwahr, wie Menschen sollt ihr sterben und wie einer der Fürsten fallen. 8 Steh auf, Gott, richte die Erde, denn dein Eigentum sind die Nationen alle.

[7] Jonathan Sacks: To heal a fractured world, S. 27f

[8] Abraham J. Heschel: Ungesicherte Freiheit, S. 132