Montag nach dem 4. Fastensonntag

Yoga

Hej Ihr Lieben in der Gemeinde St. Katharina,
mein Fastenbegleiter „wandeln“ empfahl für die zurückliegende Woche das Seinlassen und betrachtete diese Kunst über die Tage aus verschiedenen Blickwinkeln.

Zufrieden sein, mit dem was ist. Vertrauen, dass das, was ich tun will, mit meinen Kräften gelingt. Wahrnehmen, was geschieht und es gut sein lassen. Abwarten – nicht vorschnell urteilen …
So konnte ich am Dienstag hinnehmen, dass es mit meinem Übungsprogramm gar nicht geklappt hatte. Und so nahm ich mir auch für heute vor, die Stunde des Bloggens gelassen auf mich zukommen zu lassen und nicht schon lange vorher zu überlegen, was schreibe ich bloß.
Im Lauf des Tages tauchte dann ganz leise der Gedanke auf, ich könnte ja über das Mantra schreiben, dass ich am Ende meiner Yogaübungen singe. Aber, wie soll das gehen, wie passt ein hinduistisches Mantra zum Christsein, wie soll ich das erklären? Ich legte den Gedanken lieber beiseite. Abwarten, schauen, was kommt.

Es kam, mit den Texten der Liturgie des Sonntags.

Am Morgen sang ich also mein Mantra:

om bhūrbhuvaḥ svaḥ
tatsaviturvareṇyaṃ
bhargo devasya dhīmahi
dhiyo yo naḥ pracodayāt

Die Hinduisten beten dieses Gayatri Mantra häufig und gern, es ist eine Anrufung, ein Lobpreis des göttlichen Lichtes. Es gibt verschiedene Übersetzungen, eine ist:

Lasst uns über das Om meditieren, jener Urlaut Gottes, aus dem die drei Bereiche,
das Irdische, das Geistige und das Himmlische hervorgegangen sind.
Lasst uns das höchste, unbeschreibbare, göttliche Sein verehren, die schöpferische, lebensspendende Kraft, die sich als Licht kundtut.
Lasst uns über das strahlende Licht Gottes meditieren, welches alles Dunkel, alle Unwissenheit, alle Untugenden vernichtet.
Möge dieses Licht unseren Geist erleuchten.

Sonne

Später am Tag, hörte ich dann im Gottesdienst die erste Lesung aus dem Epheserbrief (Eph 5, 8-14):

Brüder und Schwestern!
Einst wart ihr Finsternis, jetzt aber seid ihr durch den Herrn Licht geworden. Lebt als Kinder des Lichts! Das Licht bringt lauter Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit hervor. Prüft, was dem Herrn gefällt, und habt nichts gemein mit den Werken der Finsternis, die keine Frucht bringen, sondern deckt sie auf! Denn man muss sich schämen, von dem, was sie heimlich tun, auch nur zu reden. Alles, was aufgedeckt ist, wird vom Licht erleuchtet. Alles Erleuchtete aber ist Licht. Deshalb heißt es: Wach auf, du Schläfer, und steh auf von den Toten, und Christus wird dein Licht sein.

Das Schlussgebet vom 4. Fastensonntag, 26.03. lautet:

Allmächtiger Gott,
dein ewiges Wort ist das wahre Licht,
das jeden Menschen erleuchtet.
Heile die Blindheit unseres Herzens,
damit wir erkennen, was vor dir recht ist,
und dich aufrichtig lieben.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

So fügt es sich doch zusammen. Für mich zeigte sich wieder einmal, wie viel uns gott-suchende Menschen über die Religionen hinweg, doch verbindet. Es bestärkt meine Hoffnung, dass bei aller Verschiedenheit, die natürlich da ist, Frieden möglich sein kann. Wenn wir uns kennen lernen, uns sein lassen können.

Hej hej
Elisabeth Kommer