Dienstag nach dem 3. Fastensonntag

Würfel

Die zweite Seite des Fastens
Nach der ersten Seite des Fastens, dem „Ruhig werden und sich von der Hektik lösen“, ging es weiter mit dem „sich frei machen“.
Ganz banal gesagt bedeutet das bei uns daheim aufräumen. Nun ja, eine Seite, die seit Jahren schon nicht zu den Lieblingen zählt. Aber was getan werden muss, muss nun mal getan werden.
Eine „Problemzone“ in meinem Zimmer ist mein Kleiderschrank. Zu groß für mich, um an meine Klamotten dranzukommen, die in den obersten Fächern immer nach ganz hinten rutschen und doch zu klein für meinen Überschuss an Kleidungsstücken. Zeit, mal wieder auszusortieren, aufzuräumen, … und sich zu trennen von allem, was man nicht mehr braucht. Gar nicht so einfach, wie man immer denkt. Plötzlich fallen einem T-Shirts, Blusen, Hosen oder Kleider entgegen, die man noch nie getragen hat, die einem schon zu klein sind, die man ewig vermisst hat oder von denen man noch gar nicht wusste, dass man sie überhaupt besitzt. Sich dann auch noch von den ganzen Schätzen zu trennen, fällt nicht unbedingt leicht. Von einigen Dingen weiß man zwar, dass man sie auch in Zukunft nicht tragen wird, aber man behält sie eben doch, weil sie eben nett anzusehen sind, teuer waren oder man nochmal drüber nachdenken möchte. Andere Sachen wandern wieder in die hinterste Ecke, weil man damit nostalgische Gefühle und schöne Erinnerungen verbindet. Auch wenn sie schon lange zu klein sind.
Als ich meinen Schrank wieder schloss, war ich sehr zufrieden: Ich hatte aufgeräumt, die „Aufgabe“ des Tages also somit bewältigt. Wie lange die Ordnung da drin jetzt halten würde, darüber wollte ich mir lieber keine Gedanken machen. Doch ein paar Tage später fragte ich mich, ob ich wirklich das befolgt hatte, was der Fastenwürfel von mir wollte: nämlich mich von überschüssigem Ballast zu befreien. Ich hatte zwar aufgeräumt, aber die eigentliche Aufgabe doch irgendwie verfehlt und ich begann, mein Verständnis vom Fasten(-würfel) zu hinterfragen.
Es fällt wirklich nicht leicht, sich immer genau daran zu halten, was man sich vorgenommen hat. Klar, man weiß, was auf der Tagesordnung steht, entweder keine Süßigkeiten, kein Fleisch, ein wenig aufräumen oder dergleichen und daran wird sich daran gehalten. Dann stehe ich morgens auf und erinnere mich, heute werden dann eben die Zähne zusammengebissen und mal etwas gründlicher aufgeräumt. Man erledigt seine Aufgaben zügig und schnell und freut sich, wenn es vorbei ist und für den nächsten Tag etwas Anderes ansteht. Doch dabei vergisst und verfehlt man die eigentliche Aufgabe des Fastens: sich zu besinnen und bewusst auf etwas zu verzichten. Selbst wenn es für andere nicht sonderlich schwer erscheinen mag und nur belächelt wird, darf und sollte man am Abend gerade dazu stehen und stolz auf sich sein, dass man es durchgehalten hat. Leider vergisst man das in unserer Zeit viel zu häufig, entweder, weil man anderweitig abgelenkt oder beschäftigt ist oder, weil das Fasten nun mal zum Alltag gehört und man möglichst schnell damit durch sein möchte.
Jetzt habe ich mir vorgenommen, wieder bewusster zu fasten und mich mehr darauf zu konzentrieren. Denn wichtig ist nicht das Fasten an sich, sondern dass man dabei zur Ruhe kommt, sich bewusstmacht, was kann ich wirklich im Alltag gebrauchen und was lenkt mich ab und wie kann ich ein Stück bewusster leben.
Und was den Kleiderschrank betrifft, der wird beim nächsten Mal richtig entrümpelt 😉