Dienstag nach dem 2. Fastensonntag

Würfel

Die erste Seite des Fastens.
Es ist des einen Freud und des anderen Leid.

Beinahe 14 Tage sind herum, 14 Tage von 40. Jeden Abend wird fleißig gewürfelt, mal wird gejubelt, mal auch nicht. Dennoch ist und bleibt es eine große Freude, auch, wenn es nicht selten schwerfällt, sich an die Regeln zu halten. Besonders schwierig wurde es vor einigen Tagen, als wir zum ersten Mal in dieser Fastenzeit „keine Medien“ würfelten.
In den letzten Jahren war das kein großes Drama. Da blieb der Laptop dann einfach mal zugeklappt, der Fernseher wurde nur abends zu den 19:00 Nachrichten eingeschaltet und mit unseren Handys konnten wir sowieso nicht viel anfangen, schließlich handelte es sich hierbei noch um Klapphandys ohne Internet.
Doch vor etwas weniger als einem Jahr hatte ich ein Smartphone bekommen, das ich eifrig nutze, um mit meinem Freund zu kommunizieren, den ich nun leider nicht jeden Tag sehe. Da gehen schon manchmal ein paar kostbare Stunden flöten. Ich hatte mir die Tage zuvor schon Gedanken darüber gemacht und mir war klar, dass es dieses Jahr nicht ganz so einfach werden würde. Trotzdem war es dann im Endeffekt schwieriger, als gedacht: Nicht mehr morgens direkt nach dem Aufstehen auf das Display gucken, um die neu eingegangen Nachrichten zu checken. Da merkt man erst, wie abhängig und hektisch man von diesem kleinen Ding wird. Im Laufe des Tages beruhigte ich mich jedoch und ließ das Handy einfach in meiner Tasche. Dennoch hatte ich im Hinterkopf immer diese leise Stimme, die mich dazu rief, endlich doch mal kurz an meinen Freund zu schreiben und ihn zu fragen, wie es denn so ginge. Da hat man dann auch gleich ein schlechtes Gewissen. Vernachlässige ich da jemanden, wenn ich so lange nicht schreibe? Zugleich ist es aber auch eine riesen Erleichterung, mal nicht ständig mit dem Handy beschäftigt zu sein. Man geht viel ruhiger durch den Tag (wenn man die Stimme im Kopf erstmal mundtot gemacht hat), kann sich besser konzentrieren und ist weniger abgelenkt. Wenn ich genauer darüber nachdenke, dann sehne ich mich sogar vielleicht ein ganz kleines bisschen wieder nach der Zeit zurück, als ich noch mit meinem altmodischen Klapphandy unterwegs war und nur hin und wieder eine SMS eintrudelte. Denn eigentlich ist das Schreiben nicht wirklich überlebensnotwendig. Natürlich ist es schön, sich mit dem Freund auszutauschen, wenn man ihn nicht sehen kann. Aber man verlernt dadurch auch die Geduld und gewissermaßen auch ein wenig die Vorfreude auf ein Wiedersehen.
Ich habe mir deshalb gleich vorgenommen, das Smartphone in der nächsten Zeit hauptsächlich wieder als „Werkzeug“ einzusetzen und zu nutzen. Denn dafür ist es ja eigentlich auch da.