Sonnabend nach dem 1. Fastensonntag

Äpfel

Als ich über meinen Vorsatz für diese Fastenzeit nachgedacht habe, mußte ich (wie meist) erst einige Ideen bändigen.

Schon länger spukte mir dabei ein uralt-Witz im Kopf herum, nämlich dieser:
Zwei Mönche fahren Zug. Der ältere raucht Pfeife und betet. Der jüngere ist empört: „Aber Bruder, wir dürfen doch beim Beten nicht rauchen.“
„Kein Problem“, erwidert dieser gelassen, „ich habe die ausdrückliche Erlaubnis des Bischofs.“
Einige Wochen später sehen sich die beiden wieder.
Der junge Mönch ist verärgert: „Was hast du mir da bloß erzählt? Ich habe unseren Bischof gefragt, ob ich beim Beten rauchen darf, und er hat es mir strikt verboten.“
Der ältere lächelt: „Jaaa…, ich habe ihn natürlich gefragt, ob ich beim Rauchen beten darf.“

Also eigentlich die Frage, unter welchen Vorzeichen ich eine Sache angehe. Die Bedeutung des Wortes Metanoia (griechisch: Nach-, Umdenken, Sinnesänderung), das ja die Fastenzeit kennzeichnet, könnte ich frei übersetzt so wiedergegeben: werde nachdenklich.
Mir ist aufgegangen, dass es für mich gut sein könnte, eine zusätzliche Zeit in den Tag aufzunehmen, bei der ich bewußt vom Gas gehe, das Multitasking mal kurz einstelle. Und mir Raum für Nachdenklichkeit gönne. Und weil ich im Moment auch dankbar bin, dass mein Kiefer mich mit Schmerzen in Ruhe läßt, sieht mein Fastenvorsatz dieses Jahr so aus: ich nehme mir jeden Tag eine Viertelstunde Zeit, ganz bewußt, in Ruhe und mit Raum für’s Nach-Denken einen Apfel zu essen. Und dabei nichts anderes zu tun (außer vielleicht ein bißchen zu beten…).

Elaine Rudolphi