Diaspora

Heute war ich beim Jugendausschuss von St. Katharina. Gemeinsam mit einigen Firmlingen haben wir an der Vorbereitung eines Jugendgottesdienstes weitergearbeitet. Wer interessante Gedanken zum Thema „Stimme“ hören möchte und wissen will, was das mit Schafen zu tun hat, sei an dieser Stelle bereits herzlich eingeladen, am 07. Mai um 11:30 Uhr nach St. Ursula zu kommen – „offizielle“ Werbung folgt.
Die Vorbereitung von (Jugend-)Gottesdiensten ist kein neues Feld für mich; ich habe schon einige Gottesdienste mitgestaltet, Fürbitten und Kyrie-Rufe formuliert etc. – sei es selbst als Jugendliche, sei es unterstützend im Rahmen der Firmvorbereitung. Manches, was ich hier im Praktikum mache, kenne ich also bereits in irgendeiner Form. Und trotzdem ist es immer wieder interessant, Bekanntes in neuen Kontexten zu erleben. Manchmal sind es nur Kleinigkeiten, die mir auffallen, manchmal blitzt die Diaspora-Situation der Kirche auf und ich muss mir wieder vergegenwärtigen, dass „Kirche“ hier in Bremen ganz anders agieren muss, um Präsenz zu zeigen. Dass es eben nicht selbstverständlich ist, dass der Großteil der Bevölkerung (zumindest auf dem Papier) Mitglied einer Kirche ist – ganz im Gegenteil.
Die Firmlinge, mit denen ich heute zusammensaß, berichteten von der Situation an ihren Schulen. „Ich bin die einzige Katholikin in meiner Klasse.“ – „Ja, ich auch.“ – „Wir sind nur drei Katholiken im ganzen Jahrgang, evangelische Mitschüler habe ich auch kaum. Die meisten gehören keiner Religion an.“ Ich versuche gerade angestrengt zu überlegen, wie viele Menschen ich in meinem Umfeld kenne, auf die das zutrifft: die keiner Religion angehören, nie angehört haben. Ich komme auf einen.
Das heißt jetzt natürlich noch lange nicht, dass alle anderen damit automatisch religiös sind. Viele sind zwar getauft, haben aber kein Interesse an der Kirche, glauben nicht an Gott. Aber dennoch: Sie verbinden etwas mit dem Begriff „Kirche“, können sich einer Konfession zuordnen etc. Ich glaube, dass schon das einen wesentlichen Unterschied darstellt in Bezug darauf, wie Kirche, wie Religion wahrgenommen wird.
Und wenn ich mir nun überlege, wie oft schon ich in meinem Umfeld erklären muss, warum ich glaube, warum ich Theologie studiere, warum mir die Kirche etwas bedeutet, wie oft ich mich in einer Verteidigungshaltung wiederfinde – umso mehr Respekt habe ich vor der Entscheidung der Jugendlichen, sich firmen zu lassen. Klar zu sagen: Ja, ich glaube an Gott! Und diesen Glauben möchte ich bestärken – und es ist mir egal, wie viel Unverständnis ich dafür von anderen erfahre.